News
Archiv
Outrun.tv

Aktuelle Ausgabe
Hefte
Abos

Communities
Links
Sponsors

Outrun Specials
Newsletter
Goodies

Kontaktformular
Impressum
Datenschutz
 

Der Teamplayer

(Dezember 2005) Der 21-jährige Guido Skorna ist Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft der Menschen mit Behinderung und zählt zu den Leistungsträgern der deutschen Elf. Outrun hat ihn im Trainingslager und an seinem Arbeitsplatz für Euch besucht.

Freundlich, hilfsbereit, kompetent: Das ist Guido Skorna. Zumindest, wenn er beim Baumarkt OBI in Aachen seine Arbeit tut. Nach einem zweimal verlängerten Praktikum bei dem Baumarkt-Riesen hatte er eine zweijährige Ausbildung zum Verkaufshelfer begonnen und abgeschlossen. Danach hängte er ein Jahr Ausbildung zum Verkäufer dran. Und zurzeit erlernt Guido den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. Wo finde ich dies? Haben Sie das? Passt dies zu jenem? Keine Kundenfrage in der Abteilung Sanitär und Baustoffe, die Guido nicht souverän, charmant und mit viel Sachkenntnis beantworten könnte.

Nur wenn der 21-Jährige Interviewfragen beantworten muss, wird er immer noch nervös. Und das kommt in letzter Zeit ziemlich häufig vor. Zum Beispiel während der Paralympics Night in Düsseldorf, oder kürzlich am Rande des Freundschaftsspiels gegen die RTL-Auswahl. Die Promotion für die Fußball WM 2006 der Menschen mit Behinderung im eigenen Land läuft auf Touren, und Guido Skorna ist als Kapitän der Mannschaft in die PR-Aktionen eingebunden.

Guido Skorna zählt zweifelsohne zu den Vorzeigekickern der Nationalmannschaft. Neben Routinier Andreas Timm darf auch Skorna bei keinem wichtigen Termin fehlen. Er zählt zu denen, die dem deutschen Team und dem gesamten Projekt „Fußball WM 2006“ nach Außen ein sympathisches Gesicht verleihen.

Entdeckt für die Nationalmannschaft wurde Guido von Co-Trainer Uli Ollesch. Während eines Fußballturniers erhielt Guido eine Einladung für die NRW-Auswahl. Als er später gefragt wurde, ob er an der kommenden Fußball WM in Japan teilnehmen wolle, dachte Skorna zunächst, „dass die mich verarschen wollen.“

Doch kurze Zeit später saß er zum ersten Mal in einem Flugzeug, wovor er „tierische Angst“ hatte, und es wurde ernst. Das Erlebnis Japan hat sich unauslöschlich in Guidos Erinnerung gebrannt. Die Atmosphäre im Stadion wird er nie vergessen. Gegen die Mannschaft aus Russland hatten die Deutschen um Trainer Willi Breuer 0:2 verloren, unglücklich, wie Skorna findet. Somit belegten sie den vierten Platz. Das Finale Großbritannien gegen Niederlande erlebten er und seine Teamkollegen inmitten von 25.000 Zuschauern. Eine gigantische Kulisse. Und vor dieser Kulisse will Guido am liebsten demnächst in der BayArena selber spielen.

Das erste erklärte Ziel der deutschen Nationalmannschaft für die WM 2006 ei das Achtelfinale, sagt Skorna, und dann müsse man weiterschauen. Einfach dürfte es nicht werden, weiter zu kommen. Seit Guido mit dabei ist, haben die Deutschen erst einmal gegen die Niederländer gewonnen. Das war in Konzen (Outrun berichtete). Natürlich seien die Engländer extrem stark (Deutschland verlor zuletzt 2:1, quasi ein Achtungserfolg), und auch das Team aus Brasilien (3:3 in Japan) sei nicht zu unterschätzen. Doch Skorna baut auf sich und sein eigenes Leistungsvermögen, und er baut auf sein Team.

Das Gros seiner Mannschaftskollegen betrachtet der Eschweiler als seine Freunde. Er lob die Gabe von Andreas Timm, andere mitzureißen, zu motivieren: das Ballvermögen von Ahmet Demir („Kann auf jeden Fall Fußball Spielen. Schießt rechts wie links“) und bewundert den Kampfgeist von Abwehrspieler Adolf Blum, der in Japan trotz schmerzhafter Schulterverletzung nicht vom Feld wollte. Da bei Guido selbst im Mittelfeld die Fäden zusammenlaufen, ist er sich bewusst, dass vieles bei der Weltmeisterschaft von seiner eigenen Leistung abhängen wird. Dienstags und donnerstags trainiert das Talent bei seinem Club und Landesligisten Rhenania Eschweiler. Mittwochs zusätzlich in der Zweiten. „Dann gucke ich, dass ich noch laufen gehe“, sagt Skorna. Da sich Trainer Breuer und seine Jungs nur sporadisch sehen können wie zum Beispiel bei Lehrgängen, oder bei Freundschafts- und Länderspielen, hängt vieles, was die Kondition betrifft, von der Selbstdisziplin eines jeden Spielers ab. Skorna will die Kapitänsbinde nicht umsonst tragen, er will auch in dieser Hinsicht Vorbild sein.

Guido Skorna hat vier Brüder im Alter von 10 bis 29 Jahren. Er ist der einzige von ihnen, der Fußball spielt. Sein Vater war früher Fußballtrainer. Ab uns zu macht er mit Freunden oder Arbeitskollegen einen Playstationabend. Aber an sich pendelt er in seinem Leben zwischen OBI und seiner Leidenschaft Fußball hin und her. Was ihn an seinem Beruf am meisten gefällt? „Den Leuten helfen zu können“, antwortet Guido, „ihnen die Dinge vernünftig erklären, damit sie dann am Ende selber Bescheid wissen.“

Von seinem Vorgesetzten Richard Alt wird Skorna nach Möglichkeit unterstützt, insbesondere, was die Freizeit für Lehrgänge betrifft. Schon seine Lehrstelle hatte Skorna wegen der WM in Japan einen Monat später antreten dürfen. Verhältnisse, wie sie in Deutschland im Behindertensport keineswegs die Regel sind. Doch Skorna weiß das Entgegenkommen durchaus zu schätzen und nimmt es nicht als selbstverständlich hin. „Wenn auf der Arbeit jemand ausfällt, dann bin ich auch derjenige, der Ja sagt und einspringt“, sagt er. Guido Skorna scheint ein echter Teamplayer zu sein, und das nicht nur auf dem Platz. Franco Erschbaumer